TV-Review: „Preacher“ Staffel 2, Folge 3 – „Damsels“

20. Juli 2017

06. Juli 2017, von Johannes Klan

Der zweiteilige Staffelauftakt liegt nun hinter uns und wie bei so vielen Serien, wird auch bei „Preacher“ nach einem fulminaten Staffelstart etwas auf die Bremse getreten. Die dritte Folge der zweiten Staffel mit dem Titel „Damsels“ lässt sich wohl am besten mit „Set-Up“ beschreiben – im Guten wie im Schlechten.

„Ew“

Wir steigen in die Folge mit einem scheinbaren Rückblick ein. Eugene, noch Pre-Suizidversuch und unentstellt, eilt zum Haus seiner besten Freundin Tracy. Getroffen vom Betrug ihres Freundes, will sie sich mit der Flinte ihres Vaters das Leben nehmen und ihrem besten Freund die Aufgabe überlassen, anschließend ihre Angelgenheiten zu regeln. Erschüttert aber verständnisvoll gelingt es Eugene Tracy den Suizid auszureden und die beiden teilen offenbar einen dankbaren Moment von Verbundenheit. Als Eugene sich jedoch ein Herz fasst und Tracy einen flüchtigen Kuss gibt, reagiert sie mit einem angewiderten „Ew.“ und nach einer kurzen Tirade gegen den armen Helfer, greift sie doch zur Waffe und schießt sich einen Teil des Schädels weg. Panisch und fast tragikomisch versucht Eugene Tracys verteiltes Gehirn wieder in ihren Kopf zu bekommen, wird jedoch unterbrochen vom Klopfen an der verschlossenen Tür. Stacys Mutter möchte zu ihrer Tochter und zeigt sich immer misstrauischer, als Eugene versucht sie hinzuhalten und ihre Tochter nicht antwortet. Da eine Flucht durchs Fenster nicht gelingt, sieht Eugene keinen Ausweg mehr und greift nun selbst zur Flinte. Eine Fehlzündung erweist sich als Grund für sein Überleben und seine folgende Entstellung.
Um ehrlich zu sein, ist es ein wenig ungewohnt, Ian Colletti ohne das Make-Up zu sehen, das ihn schon in der ersten Staffel in „Arseface“ verwandelt hat. Nichts destotrotz kann er überzeugen und den Zuschauer in seiner misslichen Lage emotional berühren.
Hatten wir Tracy in der vorherigen Staffel lediglich als vegetierende Komapatientin und durch die Erzählungen über sie kennen lernen können, ergibt sich nun ein anderes Bild. Schon ihr suizidaler Plan in Angesicht ihres betrügerischen Freundes wirkt sehr übertrieben und spätestens mit dem Verlesen ihres Abschiedsbriefes offenbart sich ein egozentrischer und arroganter Charakter. Und spätestens mit ihrer angewiderten Reaktion auf Eugenes Kuss hat mich dann jegliches Mitgefühl ihr gegenüber verlassen.
Der Eröffnungsszene nimmt gute fünf Minuten in Anspruch und zeigt einmal, wie ungenau unser Wissen über einige Charaktere in der Serie eigentlich ist. Wurde die Geschichte um Eugene und Tracy in der ersten Staffel noch als Eugenes Unvermögen eine Abweisung zu verkraften dargestellt, wissen wir nun, dass er viel mehr ungewollt in diese Situation hineingezogen wurde und er schon gar nicht Tracys Tod wollte. Der Charakter von Eugene erweist sich also als Opfer der Situation und als tragische Figur.

„Hell“

Die Auflösung, das es sich nicht um einen Rückblick handelt, sondern um eine Zeitschleife seiner schlimmsten Erinnerung, wie der Saint of Killers sie schon in der ersten Staffel erfahren hat, gibt der Szenerie einen noch grausameren Zug. Eugene sitzt nämlich noch immer in der Hölle und nun können wir als Zuschauer erahnen, was er seit seiner Verbannung durch Jesses Ausraster erlebt haben muss.
Die Auflösung ist nicht wirklich überraschend, wusste man ja, wo Eugene sich befinden muss und wie Menschen dort gefoltert werden. Doch schadet dies der emotionalen Tragweite nicht. Schon in der ersten Staffel stach Eugene als einer der wenigen Charaktere heraus, die sich gutmütig und hilfsbereit gezeigt haben. Er war die Stimme der Vernunft, die zu Jesse sprach und dafür wurde er in die Hölle geschickt, wenn auch nur versehentlich und im Affekt. Und tat mir der Charakter schon da sehr leid, ist sein Schicksal nun noch zermürbender. Bleibt nur zu hoffen, dass Jesse Eugene bei seiner Suche nach Gott nicht vergisst. Ansonsten muss dieser nämlich alleine aus seiner Höllenzelle und der Gefängniswache Adolf Hitler entkommen.

„These folks are looking for God“

Nach Jesses Einfall in der vergangenen Folge dem Jazz nach New Orleans zu folgen, befindet sich das Trio nun erst einmal erneut auf der Straße und weitere Spannungen werden sichtbar. Tulip ist offenbar alles andere als begeistert in die Stadt des Jazz zu fahren, mit der sie scheinbar so einige unschöne Erinnerungen verbindet. Natürlich bleiben die Probleme aber unausgesprochen und stattdessen türmt sich die Angelegenheit auf die Anspannungen der abgesagten Hochzeit aus der Vorwoche. Das Mysterium um Tulips Vergangenheit mit dem in der letzten Folge bereits angeteaserten Viktor wird also weiter angefacht und ich hoffe es wird eine zufriedenstellende Auflösung geben. Es erscheint schließlich schon ein wenig unwahrscheinlich, dass Tulip letzte Woche noch zufällig einen Verbindungsmann zu Viktor findet und tötet, und nun aus völlig anderen Gründen direkt in die Stadt Viktors fährt, wie es scheint.
Was die Autofahrt allerdings wie immer schön zum Ansehen macht, sind Cassidys Einwürfe und sein schwarzer Humor.

Angekommen in der Stadt des Jazz macht sich das Trio sofort auf die Suche nach Gott im nächstbesten Jazz Club. Warum nicht einfach fragen, ob man den Allmächtigen dort angetroffen hat? Und tatsächlich, der Barkeeper scheint zu wissen, wo von Jesse spricht und schickt die drei durch einen Hinterausgang zu einem Kollegen. Einige Türsteher, Gänge und Hinterräume weiter kommen die drei in einem Raum mit eienr Frau und einem Menschen in Hundekostüm und an Leine an und man macht ihnen ein mehr oder weniger unmoralisches Angebot.

Wertung: 6.5/10 – insgesamt okay, aber überfrachtet mit unnatürlich eingebetteten Fragen

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