2. Juli 2017

TV-Review: „Preacher“ Staffel 2, Folge 2 – „Mumbai Sky Tower“

02. Juli 2017, von Frederik

Der Auftakt der zweiten Staffel von AMC’s ‚Preacher‘ wurde uns Zuschauern direkt als Doppelfolge serviert. Halb so wild also, dass Folge 1 mit einem Cliffhanger endete. Lange hat es wider erwarten nicht gedauert, bis der Saint of Killers unseren Protagonisten Jesse Custer aufspüren konnte. Nur mit der semi-freiwilligen Hilfe einiger Waffen-Enthusiasten und einer gehörigen Portion Glück gelingt ihm, Cassidy und Tulip die Flucht aus dem Motel, das der Saint schnell in ein Schlachthaus verwandelt. Zeit für die TV-Nachrichten, die die Vernichtung Annvilles thematisieren, musste dennoch sein. Ebenso für einen Werbespot über einen scheinbar unsterblichen Zauberkünstler in Las Vegas, der Cassidy aufhorchen lässt.

Wie sich bei der Ankunft der Drei im Mumbai Sky Tower herausstellt, lag Cassidy goldrichtig: Der Magier ist der Engel Fiore, der durch den Tod seines Partners DeBlanc zu Händen des Saints in eine Existenzkrise gestürzt ist und nach mehreren – selbstverständlich erfolglosen – Selbstmordversuchen seine himmlische Unsterblichkeit nun als Zaubertrick verkauft. Jesses Plan: Fiore zu dem Saint of Killers befragen. Der Engel teilt ihm prompt mit, dass er es war, der den Höllen-Cowboy mit der Ermordung des Preachers beauftragt hat. Jesses neuer Plan: Fiore dazu bewegen, den Saint zurück zu pfeifen.

Cassidy nimmt sich dieser Aufgabe eigenhändig und auf seine Weise an. Mithilfe absurder Mengen an Drogen, Strand-Utensilien und zugedröhntem Bro-Talk baut der Vampir tatsächlich eine Bindung zu dem Engel auf und überredet ihn zu einem diplomatischen Gespräch mit Jesse. Letzterer ist nach seinen innerhalb von Stunden aufgebauten und wieder zertrümmerten Heiratsplänen mit Tulip auch bereit für das Zusammentreffen, zeigt sich aber uneinsichtig wie je her: Genesis sei zwar kein Spielzeug, aber dennoch gehöre es ihm allein.

Rückblickend war es daher nachvollziehbar, dass Fiore den Saint of Killers nicht zurück pfiff, sondern ihn im Gegenteil zur Erfüllung ihres Deals drängte – und diesen um eine Klausel erweiterte: Fiore, offensichtlich erschöpft von seiner geplagten Existenz und motiviert von Jesses Aufforderung „find peace“, lässt sich bei seiner Vorstellung am selben Abend vom Saint of Killers ins Herz schießen.

 

Gedanken zur Episode

Wie schon in der letzten Episode, inszeniert ‚Preacher‘ einen tragikomischen Plot, der die übernatürlichen Aspekte seiner Prämisse herrlich überdreht. Die Liste der Dinge, die ich dieser Serie nicht zutraue, wird zusehens kürzer. Den für meinen Geschmack etwas zu sehr ausgedehnten Hochzeits-Plot zwischen Jesse und Tulip kann ich verzeihen, denn Fiores Darsteller Tom Brooke stiehlt die Show in einer ansonsten fokussierten Episode, die dem Abgang seines Charakters würdig war; vorausgesetzt, das war wirklich sein Abgang. Die Serie wirft nämlich wie in Staffel 1 wieder gern Fragen auf. Welche Vergangenheit verbindet Tulip mit New Orleans? Wie wird sie mit dem Tod ihres Onkels in Annville umgehen? Wird Jesse sich diesbezüglich noch einmal ausführlicher äußern als mit einer dahergemurmelten Phrase? Wohin gehen tote Engel? – „Now that’s the question, isn’t it?“

Wertung: 9/10

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